Die Stadt Amsterdam hat seit 2017 eine starke Sicherheitskultur innerhalb ihres Ingenieurbüros aufgebaut. Jetzt lädt die Stadt andere Kommunen ein, ihr Wissen zu teilen. "In neun von zehn Fällen ist ein Unfall auf Entscheidungen zurückzuführen, die wir als Kunden getroffen haben", sagt Annemieke Bantema, Sicherheitskoordinatorin.
Das Ingenieurbüro der Stadt Amsterdam realisiert alle Projekte im öffentlichen Raum: Parkhäuser, Straßen, Brücken, Kaimauern. Mega-Projekte, bei denen Sicherheit keine Option ist. Seit 2017 arbeitet die Stadt daher an einer strukturierten Sicherheitskultur, mit seit 2024 die Leiter der Sicherheitskultur (SCL) als Kompass.
Von getrennt zu zentral
Im Jahr 2017 erhielt die Sicherheitsexpertin Bantema einen offenen Auftrag: Sie sollte herausfinden, was besser gemacht werden könnte. Was sie vorfand, war eine fragmentierte Arbeit. "Es wurde an der Sicherheit gearbeitet, aber getrennt auf Projektebene. Es gab keinen Helikopterblick von einer zentralen Stelle im Ingenieurbüro."
Sie entwickelte sich zu einer Spinne im Netz, die gemeinsam Linien zieht und nach gemeinsamen Lösungen sucht. Im ersten Jahr schrieb sie einen Jahresplan für ein Team. Später folgte ein Dreijahresplan für das gesamte Amt (2019-2022), und der aktuelle Plan läuft bis 2026.
SCL als Instrument zur Prioritätensetzung
Amsterdam nutzt den SCL nicht nur zur Zertifizierung, sondern vor allem als Instrument zur Festlegung von Prioritäten. "Wir haben uns zuerst angeschaut, was wir selbst wollen. Dann haben wir uns die Sicherheitsleiter geschnappt: Wie sollen wir die Prioritäten setzen? Man kann nicht den vierten Schritt machen, wenn man den dritten noch nicht gemacht hat."
Im Jahr 2024 folgte eine Basismessung, die zeigte, dass sie die zweite Stufe erreicht hatten. Nun kann Amsterdam ab Anfang 2026 Stufe 2 von den Auftragnehmern verlangen. "Bevor man etwas von jemand anderem verlangt, muss man es selbst tun", so Bantema. Das Ziel ist die Zertifizierung auf Stufe 3 bis 2026.
Geschichtenerzählen schafft Wirkung
Die Sensibilisierung erfordert mehr als das Aufstellen von Regeln. "Man darf die Leute nicht nur tadeln, sondern muss sofort eine Erklärung dazu geben. Zeigen Sie, warum etwas wichtig ist."
Amsterdam arbeitet daher mit konkreten Geschichten, wie der von Lars van Rode, der beim nationalen Consciously Safe Day 2024 bei einem Arbeitsunfall seinen Unterschenkel verlor. "Er erzählt, was das mit ihm gemacht hat, aber vor allem mit dem Unternehmen, den Kollegen und der Familie. Und mit dem Verursacher, denn er hat es nicht absichtlich getan und ist genauso ein Opfer."
Gemeinsam mit der KPE Group, einem Schulungsanbieter für die Bau-, Infrastruktur- und Immobilienbranche, entwickelte das Ingenieurbüro einen Schulungskurs, den inzwischen 1.000 seiner 1.300 Mitarbeiter besucht haben. Die Reaktionen sind positiv. "Man merkt, dass alle daran arbeiten, auch wenn sie es manchmal selbst gar nicht merken", sagt er.
Kunde in der Leitung
Die wichtigste Erkenntnis? "Es geht nicht nur um die Sicherheitskultur. Es verbessert die allgemeine Kultur, das Bewusstsein und das Verhalten der Kollegen."
Bantema betont besonders die Verantwortung der Kunden. "Die Leute sagen: Es ist der Unfall des Bauunternehmers. In neun von zehn Fällen ist das Blödsinn. Hätten wir die Sache anders angepackt, hätten wir andere Entscheidungen getroffen, wäre dieser Unfall nicht passiert."
Konkrete Maßnahmen, die Amsterdam deshalb ergreift: bessere Kontrolle der Pläne, weniger Druck auf Planung und Zeit, keine Abstriche bei der Sicherheit. Und zum Beispiel die Installation von Zäunen anstelle von Verkehrskontrollen. "Die Menschen gehen nicht über Barrieren. Wie wichtig ist das Leben des Arbeiters bei dem Bauunternehmen?"
G4 arbeitet zusammen
Amsterdam schließt sich mit Rotterdam, Utrecht, Den Haag, Rijkswaterstaat und Rijks Vastgoed zusammen. Diese sechs Auftraggeber teilen ihr Wissen und gehen Probleme gemeinsam an. So haben sie beispielsweise gemeinsam Anforderungen für Sicherheitskoordinatoren formuliert und einen gemeinsamen Schulungskurs im Jahr 2026 ins Leben gerufen.
"Amsterdam hat das größte Team", räumt Bantema ein. Seit 2017 hat es ein stabiles Team von acht Personen aufgebaut. Andere Gemeinden arbeiten ebenfalls daran, haben aber mehr Veränderungen erlebt und arbeiten mit kleineren Teams.
Der Anruf
Die Sicherheitskultur in den niederländischen Kommunen steckt noch in den Kinderschuhen. Viele kleinere Gemeinden beschäftigen wahrscheinlich keine Sicherheitsexperten für die politische Arbeit, obwohl die Verantwortung vorhanden ist. "Wer nimmt sie dann wahr? Sie sind immer noch ein Auftraggeber, immer noch verantwortlich. Ich glaube, viele kommunale Auftraggeber wissen gar nicht, welche Verantwortung sie haben."
Daher dieser Appell. "Haben Sie als Gemeinde noch nicht herausgefunden, was Sie in Sachen Sicherheit und SCL tun sollen? Nehmen Sie Kontakt auf", sagt Bantema. "Wir können Ihnen viel erzählen, aber wir wollen auch hören, womit Sie zu kämpfen haben. Auch wir können daraus lernen. Es geht nicht darum, dass wir die Größten und Besten sind, absolut nicht. Aber wir arbeiten ganz bewusst daran."
Die G4 möchte Teile davon gemeinsam nutzen und arbeitet an Möglichkeiten für gemeinsame Treffen.
Kontakt
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Annemieke Bantema, Sicherheitskoordinatorin Ingenieursbureau Gemeente Amsterdam: A.Bantema@amsterdam.nl