Gemeinden, Provinzen und Wasserverbände

Sicherheit beginnt mit den Entscheidungen vor Arbeitsbeginn

Bauarbeiten an einer Straße, einer Brücke, einem Kai, einer Pumpstation oder im öffentlichen Raum betreffen Mitarbeiter, Auftragnehmer und Anwohner. Als öffentlicher Auftraggeber haben Sie bereits vor der Ausführung Einfluss auf die Sicherheit: bei der Planung, der Ausschreibung und der Zusammenarbeit mit den Auftragnehmern. 

Diese Entscheidungen tragen dazu bei, ob Menschen sicher und gesund arbeiten können, ob sie sich trauen, Risiken zu melden, und ob sie Rücksicht auf ihre Umgebung nehmen. Die „Safety Culture Ladder“ hilft dabei, dieses Gespräch zu führen, bevor die Arbeit im Freien beginnt. 

Warum ist die Sicherheitskultur so wichtig?

Ein Plan kann auf dem Papier stimmig sein, während die Umsetzung dennoch unsicher wird. Verfahren beschreiben, was vereinbart wurde. Die Sicherheitskultur bestimmt, wie sich die Menschen tatsächlich verhalten, wenn die Praxis davon abweicht, die Zeit drängt oder Interessen aufeinanderprallen. 

Werden Warnsignale ernst genommen? Kann ein Mitarbeiter die Arbeit unterbrechen? Besprechen Auftraggeber und Auftragnehmer Risiken, bevor sie zu einem Problem werden? Für Gemeinden, Provinzen und Wasserverbände sind dies Fragen, die die Bereiche Beschaffung, Anlagenmanagement, Projektleitung, Außendienst, Personalwesen, Geschäftsführung und Vorstand betreffen. 

Die Berücksichtigung der Sicherheitskultur trägt zu gesunden und sicheren Arbeitsbedingungen, zu einer sorgfältigen Auftragsvergabe sowie zum Schutz der Einwohner und Nutzer des öffentlichen Raums bei. Die Sicherheitskultur ist somit kein isoliertes Projektthema, sondern ein Bestandteil der gesellschaftlichen Verantwortung öffentlicher Organisationen. 

Was ist die Leiter der Sicherheitskultur?

Die Safety Culture Ladder (SCL) ist eine Bewertungsmethode und ein Zertifizierungssystem für Sicherheitsbewusstsein, Einstellung und Verhalten in Organisationen. Die SCL blickt über Verfahren und Pläne hinaus. Auditoren untersuchen anhand von Gesprächen und Beobachtungen, wie Mitarbeiter und Führungskräfte in der täglichen Praxis mit dem Thema Sicherheit umgehen. Die Bewertung zeigt, wie die Sicherheitskultur zum jeweiligen Zeitpunkt gelebt wird und wo Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Der SCL betrachtet Sicherheit ganzheitlich: physische und soziale Sicherheit, psychosoziale Arbeitsbelastung, Wohlbefinden und Integrität. Öffentliche Organisationen können den SCL für ihre eigene Organisation nutzen und als Qualitätskriterium bei der Vergabe von Bauaufträgen, Dienstleistungen und Lieferungen heranziehen. 

Was können Sie mit dem SCL machen?

Bei Ausschreibungen und Auftragsvergaben

Der SCL macht die Kultur hinter einem Sicherheitsplan sichtbar. Wie bereitet ein Auftragnehmer die Arbeiten vor? Wie werden Risiken besprochen? Und was passiert, wenn Planung, Budget und Sicherheit miteinander in Konflikt geraten? 

Öffentliche Auftraggeber können den SCL daher als Qualitätskriterium bei der Vergabe von Bau-, Dienstleistungs- und Lieferaufträgen heranziehen. Bei jedem einzelnen Auftrag erfordern die konkrete Anwendung und die Verhältnismäßigkeit eine sorgfältige Prüfung. 

Bei Projekten und Arbeiten 

Die SCL bietet Auftraggebern und Auftragnehmern eine gemeinsame Sprache für Verhalten und Zusammenarbeit. Das trägt dazu bei, offen zu besprechen, wer Risiken meldet, wie Warnsignale aufgegriffen werden und wann die Arbeit angepasst oder eingestellt wird. 

Bei Arbeiten in der Nähe einer Schule umfasst die Sicherheit den Arbeitsplatz, die Absperrungen, den Baustellenverkehr, die Schulzeiten und die Wege der Kinder. So wird die Sicherheit bei der Vorbereitung und der täglichen Durchführung berücksichtigt. 

Innerhalb der eigenen Organisation 

Auch Kommunen, Provinzen und Wasserverbände beschäftigen eigene Mitarbeiter, die im Außendienst tätig sind. Die SCL macht deutlich, ob ihnen der Freiraum gegeben wird, Risiken zu melden, Fehler zu besprechen und sich gegenseitig zur Rede zu stellen – auch bei hoher Arbeitsbelastung, innerhalb der Hierarchie oder unter politischem Druck. 

Das betrifft Außendienstmitarbeiter, Projektteams, den Einkauf, die Personalabteilung, die Geschäftsführung und den Vorstand. Denn sicheres Verhalten entsteht nicht in einer einzigen Abteilung. 

Die Sorgfaltspflicht: Die SCL unterstützt, ersetzt jedoch nicht

Bei Bau- und Tiefbauprojekten hat der Auftraggeber eine gesetzliche Überprüfungspflicht. Bereits in der Planungsphase muss sich der Auftraggeber vergewissern, dass Arbeitgeber und Selbstständige während der Ausführung ihre Arbeitsschutzverpflichtungen erfüllen können. 

Ein SCL-Zertifikat übernimmt diese Verantwortung nicht. Es ersetzt auch keine projektspezifische Risikoanalyse, keinen vorgeschriebenen Sicherheits- und Gesundheitsplan, keine vertraglichen Vereinbarungen und keine Aufsicht. 

Der SCL bietet noch einen weiteren Mehrwert: Einblicke in die Einstellung, das Verhalten und die Art und Weise, wie Organisationen in der Praxis mit Risiken umgehen. Damit kann der SCL die Diskussion und die Entscheidungen rund um die sichere Auftragserteilung unterstützen. Die konkrete Anwendung erfolgt weiterhin individuell für jeden Auftrag und erfordert eine sorgfältige Beurteilung. 

So sieht das in der Praxis aus

Die Beispiele aus dem öffentlichen Sektor zeigen, dass Sicherheitskultur mit klaren Entscheidungen und sichtbarem Verhalten beginnt. 

“Entweder arbeiten wir sicher oder wir arbeiten gar nicht.”

Pieter Jansen, Geschäftsführer des Wasserverbands Delfland 

“Wir müssen unsere eigene Verantwortung übernehmen und die Sicherheit nicht den Bauunternehmern oder Auftragnehmern überlassen.” 


Annemieke Bantema, Sicherheitskoordinatorin des Ingenieurbüros der Stadt Amsterdam 

“Bei den Spielplätzen fiel ein Bauunternehmer durch sein Gespür für die Umgebung auf: gute Zäune, keine Bauarbeiten während der Schulzeit und Rücksichtnahme auf die Wege der Kinder.” 


Rob van der Haar, Leiter der Abteilung Grünflächen, Stadt Zeist 

Praxisbeispiel Amsterdam: Sicherheit zu fordern beginnt bei den eigenen Entscheidungen

Bei einem Unfall bei einem Bauunternehmer prüft die Stadt Amsterdam ausdrücklich ihre eigenen Entscheidungen als Auftraggeber. Das Ingenieurbüro arbeitet seit 2017 an einer zentralen Sicherheitskultur und nutzt seit 2024 die “Safety Culture Ladder”, um Prioritäten zu setzen. „Bevor man etwas von anderen verlangt, muss man es selbst vorleben“, sagt Sicherheitskoordinatorin Annemieke Bantema. 

Sicherheitsschulung 

Eine Basismessung stufte die Organisation auf Stufe 2 ein. Amsterdam setzt auf persönliche Erfahrungsberichte, Schulungen und konkrete Sicherheitsmaßnahmen. Inzwischen haben 1.000 der 1.300 Mitarbeiter eine Schulung zum Thema Sicherheit bei Großprojekten im öffentlichen Raum absolviert. Zudem tauscht die Stadt ihr Wissen mit anderen öffentlichen Auftraggebern aus. 

Lieber ein Verkehrslotse als ein Zaun 

Was bedeutet diese Verantwortung in der Praxis, insbesondere wenn Planung und Sicherheit miteinander kollidieren? Lesen Sie den vollständigen Artikel und erfahren Sie, warum Amsterdam manchmal lieber eine Absperrung aufstellt als einen Verkehrslotsen einzusetzen. 

Soziale Sicherheit als Grundlage für physische Sicherheit

Laut Ahmed Aboutaleb beginnt physische Sicherheit mit Teams, in denen sich die Menschen gegenseitig vertrauen, rechtzeitig um Hilfe bitten und sich nicht gegenseitig überraschen. Die „Safety Culture Ladder“ verdeutlicht, wie sich diese soziale Sicherheit in Einstellung, Verhalten und Zusammenarbeit widerspiegelt.

Was bringt es, der Sicherheitskultur Aufmerksamkeit zu schenken?

Der gesellschaftliche Wert liegt nicht in einem zusätzlichen Zertifikat an der Wand, sondern in frühzeitigen und besser abgewogenen Entscheidungen. Die Fokussierung auf die Sicherheitskultur kann dazu beitragen, dass: 

  • Mitarbeiter, die es wagen, Risiken zu melden, und die Arbeit bei Bedarf unterbrechen können; 
  • Auftragnehmer, die wissen, welches Verhalten und welche Zusammenarbeit erwartet werden; 
  • Anwohner und Nutzer des öffentlichen Raums, die bei der Sicherheitsabwägung stärker berücksichtigt werden; 
  • Führungskräfte und Projektverantwortliche, die einen besseren Einblick in das Verhalten erhalten, das hinter Plänen und Abläufen steht.

 

Die SCL garantiert keine störungsfreie Umsetzung. Die Methode trägt jedoch dazu bei, dass die Sicherheit bei Entscheidungen über Planung, Zeit, Kosten und Umsetzung fest verankert wird. 

Wo steht Ihre Organisation?

Situation 

Was ist nun erforderlich? 

Nächster Schritt 

Wir sich orientieren uns 

Zunächst muss man verstehen, was der SCL misst und welche Formen es gibt. 

Wir möchten die SCL in eine Ausschreibung einbeziehen 

Festlegen, welche Rolle die SCL im Rahmen des Auftrags angemessen und verhältnismäßig übernehmen kann. 

Wir möchten unsere eigene Sicherheitskultur entwickeln 

Die aktuelle Situation erfassen und feststellen, welche Vorbereitung oder Begleitung erforderlich ist. 

Wir suchen Betreuung 

Einen externen Kompetenzpartner finden, der bei der Vorbereitung und Entwicklung unterstützen kann. 

Wir möchten eine Bewertung oder ein Zertifikat 

Kontakt zu einer Einrichtung aufnehmen, die Audits und Bewertungen durchführt. 

Wer hilft bei was?

NEN ist Eigentümer und unabhängiger Verwalter des „Safety Culture Ladder“-Schemas. NEN verwaltet das Schema und stellt allgemeine Informationen über die SCL, die Produkte und die beteiligten Parteien bereit. NEN führt keine Audits durch und erteilt keine organisationsspezifischen Umsetzungsempfehlungen. 

Für eine Beratung kann sich eine Organisation an einen SCL-Wissenspartner wenden. Zertifizierungsstellen führen Bewertungen und Audits durch.